Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20/16


Im Juli 2005 stellten wir ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20/16 auf Mercedes Benz Atego 1328 AF in Dienst. Der von Ziegler gelieferte Wagen diente zunächst als Vorführfahrzeug, wobei hier vom Hersteller einige Besonderheiten eingebaut wurden.
 

Südwestlich von München liegt die Gemeinde Schäftlarn am Rande des Isartales, etwa 20 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt. 16,71 km2 Fläche und ca. 5500 Einwohner. Bekannt ist die Gemeinde durch das vor mehr als 1200 Jahre gegründete Kloster Schäftlarn im tief eingeschnittenen Isartal. Heute beherbergt die weitläufige Klosteranlage auch ein Schulinternat. Die Bevölkerung verteilt sich auf mehrere Gemeindeteile. Freiwillige Feuerwehren bestehen in drei der Orte: Hohenschäftlarn, Ebenhausen und Neufahrn. Weitere besondere Schutzobjekte für diese Feuerwehren sind eine Kartonagenfabrik, zwei Alten- und Pflegeheime, drei Kindergärten, eine Grundschule, der alte Ortskern, sowie mehrere außerhalb des Bebauungsplanes liegende Bauernhöfe. Der Einsatzschwerpunkt der Wehren liegt allerdings auf der Autobahn A 95 München-Garmisch. Dort unterstützt FF Hohenschäftlarn die Kameraden aus Neufahrn. Weit über die Hälfte der Alarme führt die FF Neufahrn auf die direkt benachbart liegende Autobahn. Dieses spiegelt sich in der Alarmplanung und in der Fahrzeugausstattung der drei Wehren wieder:

  • FF Ebenhausen: MZF, HLF 20/16
  • FF Hohenschäftlarn: LF 8 Straße,
    HLF 20/16,
    Komandowagen (KdoW) / First Responder Fahrzeug, Verkehrssicherungsanhänger
  • FF Neufahrn: LF 16/12, Mannschaftstransportwagen MTW

Die FF Hohenschäftlarn leistet im Jahr ca. 275 Einsätze ab wovon im Schnitt 70 Feuerwehr- und 200 Respondereinsätze anfallen. Dafür stehen ihr rund 55 Einsatzkräfte zur Verfügung. 1975 beschaffte die Gemeinde für die FF Hohenschäftlarn ein TLF 16/25, Fahrgestell DB LAF 1113 B / Aufbau Ziegler, das wegen hoher Reparaturanfälligkeit nach 30 Dienstjahren ersetzt werden musste. Die Wahl fiel auf ein LF 20/16 (Bezeichnung laut Typschild) mit umfangreicher Hilfeleistungsausstattung, wodurch es als HLF 20/16 angesprochen werden kann. Da sich die Gelegenheit ergab, ein Vorführfahrzeug der Firma Ziegler zu erwerben, beliefen sich die Kosten auf knapp 280.000 Euro. Anlässlich der 130-Jahr-Feier der Wehr erfolgte am 17. Juli 2005 die Fahrzeugweihe.
 

Fahrgestell

Die Basis stellt ein Mercedes-Benz Fahrgestell der Baureihe Atego 1328 AF mit Radstand von 3860 mm dar. Der 6-Zylinder-Reihenmotor vom Typ OM 906 LA leistet 279 PS. Gekoppelt ist der Motor mit einem manuell zu schaltenden 6-Gang-Getriebe. Für Vortrieb auf unbefestigtem Untergrund sorgt der Allradantrieb.

Kabine

Die von Ziegler angesetzte Kabine bietet einer Löschgruppe Platz. Zwei Atemschutzgeräte sind entgegen der Fahrtrichtung im Mannschaftsraum eingebaut. Die weit heruntergezogenen Türen decken die hinteren Einstiegsstufen ab und verhindern so, dass Dreck oder Schnee und Eis zu einer Unfallursache durch Ausrutschen werden können. Beim Öffnen der Türe klappt der untere Auftritt auf. Das Kabinendach ziert der Dachaufsatz namens „Top-Integro" mit integrierten Blitzleuchten. Über ein schwenkbares Display zwischen Fahrer und Beifahrersitz können Blaulicht, Martinshorn, Lichtmast sowie Umfeldbeleuchtung angewählt und die Pumpe überwacht werden.
 

Aufbau

Den Aufbau in ALPAS-Technologie fertigte Ziegler mit drei Geräteräumen je Seite. Konstruktionsprinzip dieses Aufbaus stellen Aluminium-Paneele dar, die zu einem umlaufenden Ring zusammengefügt werden. Die beiden Lastringe links und rechts bilden mit Verstrebungen und einer Alublech-Beplankung den Gerätekoffer. Um den Stauraum optimal auszunutzen und zugleich eine schnelle und ergonomisch günstige Entnahme zu ermöglichen, werden schwenkbare Gerätefächer, ausziehbare Gerätewände oder drehbare Halterungen eingebaut.

Ein durchgängiges Lichtband am Aufbau leuchtet den Arbeitsbereich beidseitig des Fahrzeuges aus.

Zur Erzielung eines durchgängigen Auftrittes über die gesamte Länge des Geräteaufbaus und damit einer erleichterten Geräteentnahme sind die Radkastenausschnitte abklappbar gestaltet. Zusammen mit den Bordwandklappen ergibt sich ein durchgängiger ebener Auftritt. Allerdings kann es bei diesem ehemaligen Vorführfahrzeug passieren, dass schon bei leichter Unebenheit des Untergrundes und geringer Fahrzeugverwindung die Radkastenklappen klemmen und zum Öffnen hohen Kraftaufwand benötigen.


Am Heck des HLF20/16 ist mittig eine Einmannhaspel aufgeprotzt. Rechts und links außen sind die Griffe für die abrollbaren Leiterhalterungen arretiert.

Links: Weit öffnende Türen und beidseitig montierte Griffstangen erleichtern den Einstieg. Die unterste Trittstufe klappt dabei nach außen.

 

Rechts: Die Befestigung der Beladung auf drehbaren Fächern nutzt den zur Verfügung stehenden Platz im Gerätekoffer optimal und erleichtert den Einsatzkräften die Geräteentnahme. Durch den abklappbaren Radkasten entsteht ein durchgängiges Trittbrett.

 

Rechts unten: Auch wenn man bei anhängender Schlauchhaspel an die Pumpenbedienung kommt, es ist im Einsatz empfehlenswert, die Haspel abzuprotzen. Die Ziegler Multifunktions-Steuerung Z/MS führt auf einem Bildschirm die wichtigsten Betriebsanzeigen der Pumpe zusammen. Zugleich bietet sie dem Maschinisten vielfältige Bedienungsmöglichkeiten, wie z.B. Steuerung des Lichtmastes.

 


 

Feuerwehrtechnische Beladung


Der Schwerpunkt der Beladung auf der linken Seite liegt auf der Brandbekämpfung. Hier lagern neben den Armaturen und der Kübelspritze auch noch ein Entlüftungsgerät. Unter den Schlauchtragekörben im Heckgeräteraum liegt noch ein B-Schlauch mit angekuppeltem Verteiler.


Auf der Beifahrerseite ist in den Geräteräumen die Ausrüstung für die technische Hilfeleistung zusammengefasst. In den unteren Fächern sind die schweren Geräte untergebracht. Im vorderen Geräteraum steht unten der tragbare Generator, während leichtere Geräte, wie Flutlichtscheinwerfer oder Kabeltrommeln auf ausschwenkbaren Halterungen lagern. Hinten befindet sich das hydraulische Rettungsgerät unter der Schnellangriffseinrichtung.
 

Die Beladung ist sehr umfangreich, linksseitig mit dem Schwerpunkt „Löschen", rechtsseitig „Retten und Bergen". Als Vorführfahrzeug weist das Fahrzeug Ausstattungsdetails auf, die in der Einsatzpraxis als angenehm und hilfreich empfunden werden. Bei dem Blick auf die Kosten bei einer selbst vorgenommenen Zusammenstellung der wählbaren Ausrüstung wären einige Positionen allerdings nicht in die engere Wahl gekommen. Dazu zählt neben der Videokamera auf dem Lichtmast oder dem Hygienebord auch die Dachverkleidung des Fahrerhauses. Im G1 (links vorne) lagern anstelle von tragbaren Schaummittelkanistern die Reserveflaschen für die Atemschutzgeräte. Wegen ihres Gewichtes sind Tauchpumpe und Greifzug unten und damit entnahmefreundlich verstaut. Die seitlich ausziehbare Gerätewand enthält Besen, Schaufel, Dunghacke und Äxte. Leicht erreichbar dank der Radkastenklappen sind die Geräte im mittigen G3: Es handelt sich um die wasserführenden Armaturen (wie Strahlrohre, Unterflurhydrantenstock, Stützkrümmer), Handlampen und zwei Preßluftatmer. Im hinteren linken Geräteraum G5 ist die Auffüllanlage der Schaumanlage angeordnet. Daneben liegen vier C-Schlauchtragekörbe, darunter schnell entnehmbar ein B-Schlauch mit angekuppeltem Verteiler. Der Hochleistungslüfter ist hier ebenfalls verstaut. Die rechte Fahrzeugseite ist abgesehen vom Schnellangriff der technischen Hilfeleistung vorbehalten. Das Drehfach im vorderen Geräteraum G2 beinhaltet vorne Beleuchtungsgeräte, auf der Rückseite Hebekissen mit einer Hubkraft von 11 bis 40 Tonnen. Nach Öffnen des Drehfaches sind Rettungsbrett und Unterbaumaterial leicht zu entnehmen. Auf einer ausschwenkbaren Lagerung ist der tragbare Stromerzeuger verstaut (Hersteller Eisermann, Typ BSKA13 Leistung 13 kVA). Den mittleren Geräteraum G4 gliedern ein Auszug, auf dem die Verkehrswarngeräte untergebracht sind und ein Schwenkfach mit drei Hydraulikstempeln und Pedalschneider. Dahinter lagert Ölbindemittel. Den Rettungssatz mit Rettungsspreizer (Hersteller Weber, Typ SP 60) und Rettungsschere (Hersteller Weber, Typ S270-71) platzierte Ziegler im hinteren rechten Geräteraum G6. Daneben befindet sich das ausziehbare Hygienebord. Wasser- und Druckluftanschluss erleichtern Reinigungsarbeiten von Gerät und Mannschaft noch an der Einsatzstelle. Eine Bürste am Wasserschlauch, ein Seifen- und Papiertuchspender vervollständigen dieses Ausstattungsdetail. Auf dem Dach lagern vier Saugschläuche. Leicht zu entnehmen sind sowohl die vierteilige Steckleiter als auch die Schiebleiter, denn beide wurden auf abrollbaren Entladehilfen befestigt. Der Maschinist braucht zur Leiterentnahme nicht mehr auf das Dach steigen - ein Zeit- und Sicherheitsgewinn. Der pneumatisch ausfahrbare Lichtmast wurde an der Stirnseite des Aufbaus befestigt. Die beiden je 1000 Watt starken Scheinwerfer lassen sich vom Bedienstand am Heck elektrisch in der Neigung verstellen, so dass sie den Einsatzbereich weitestgehend blendfrei ausleuchten.


Dank der abrollbaren Leitergerüste für Steck- und Schiebeleiter ist deren Entnahme stark erleichtert. Damit er nicht am Heck stört, entschieden wir uns für den Einbau des pneumatisch ausfahrbaren Lichtmastes an der Stirnseite des Koffers des HLF 20/16.
 

Besonderheit: Hygiene und Waschboard


Für Sauberkeit noch an der Einsatzstelle sorgt das ausziehbare Hygienebord im hinteren Geräteraum G6 auf der Beifahrerseite. Auf der Vorderseite sind ein Papiertuch- und ein Waschlotionsspender befestigt.


Um verdreckte Einsatzkleidung oder Geräte zu reinigen, hat das ausziehbare Waschbord die wichtigsten Geräte zusammengefasst: Wasseranschluss, Waschbürste, Druckluftanschluss und Druckluftpistole.

 

Pumpe   Schaumsystem
Herzstück des Löschfahrzeuges ist die Ziegler FPN 10-2000-1 HL mit einer Förderleistung von 2000 l/min. Als maximale Pumpenleistung werden vom Hersteller 2500 l/min bei 10 bar angegeben. Die Bedienung erfolgt über die so genannte ZMS Ziegler-Multifunktions-Steuerung. In dem Farbdisplay sind zentral die Anzeigen zusammengefasst: Ein- und Ausgangsdruck, Füllstände von Wasser- und Dieseltank, Motordrehzahl. Ergänzend bietet es eine Vielzahl an Informationen. Weitere Menü-Fenster zur Steuerung der Schaumanlage, der Beleuchtung, des Lichtmastes oder der Videokamera lassen sich auf Knopfdruck aufrufen.   Für die Zumischung von Schaum baute Ziegler eine Foam-Master-Anlage von Haie ein. Gespeist aus einem 200 Liter fassenden Schaummitteltank kann eine Zumischrate zwischen 0,2 und 6 Prozent eingestellt werden.
  Lackierung
  Das für die Firma Ziegler typische „Z" in elegant schwunghafter Gestaltung und gelber Farbe zierte das Vorführfahrzeug. Wir haben uns entschieden diese auffällige Beklebung auf Feuerwehrrot RAL 3000 weiterhin beizubehalten.

Text: Klaus Fischer - Fotos: Klaus Fischer (9), FF-Hohenschäflarn (1)

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